Daniela Flickentanz: Hoffnungsmusik aus Apartment N°8
- Christine Klimaschka
- 27. März
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 28. März

TEXT & INTERVIEW: CHRISTINE KLIMASCHKA

Der norwegische Pianist Leif Ove Andsnes sagte kürzlich: „Musik kann nicht unsere globalen Probleme lösen, aber sie kann die Inspiration für die Gefühle sein, die wir derzeit am meisten brauchen: Mitgefühl, Empathie, Großzügigkeit, Verständnis und die Anerkennung von Diversität.“
Die österreichische Musikerin Daniela Flickentanz hat sich ganz bewusst dafür entschieden, mit ihren Songs genau diese Gefühle anzusprechen. Danielas Musik hat viel mit dem Thema Herz zu tun – ganz bewusst, denn ihr eigenes hat einmal aufgehört zu schlagen.
Vor ziemlich genau einem Jahr haben wir uns in Wien an einem unserer gemeinsamen Lieblingsorte getroffen – der konzept:greisslerei (der Name ist der Redaktion bekannt und wird hier gerne als Empfehlung verraten). Damals erzählte mir Daniela viel über sich und ihre Geschichte und spielte mir eine der ersten Fassungen ihres aktuellen Songs Du wirst gehalten vor. Nun ist der Song Teil ihres dritten Albums Apartment N°8, das am 28. März erscheint.
Warum der Musikerin Verbindung so wichtig ist und warum sie sich durch Musik für sie am besten herstellen lässt, hat sie mir in unserem Gespräch verraten.
Was hat dich zu dem Lied Du wirst gehalten inspiriert, und wie würdest du deine Musik beschreiben?
Auch wenn ich mich oft als Sonnenschein zeige, ist nicht immer alles leicht und schön. Du wirst gehalten hat mir in einer schwierigen Zeit viel Trost und Zuversicht geschenkt. Dieses Lied hat mich tief bewegt und wurde im November 2021 zur Grundlage für meinen Schreibprozess – für ein ganzes Album voller Hoffnung. Und jetzt ist es endlich soweit: Apartment N°8 darf in die Welt hinaus!#
Das Menschsein in all seinen Facetten steht im Mittelpunkt deiner Musik – berührend und kompromisslos ehrlich. Hat dir dein Studium der Sozialen Arbeit geholfen, einen empathischen, aber völlig kitschfreien Zugang zu den Themen zu finden, die du in deinen Songs ansprichst?
Mich haben die Themen des Menschseins und der Menschwerdung schon immer brennend interessiert. Mein Studium der Sozialen Arbeit hat mein Leben auf vielen Ebenen bereichert: Ich habe dort beeindruckende Vorbilder kennengelernt, meine Werte vertieft und die Grundlagen der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg gelernt – eine Haltung, die mich bis heute täglich begleitet und inspiriert.
Als Künstlerin versuche ich, meinen Blick auf die Welt eins zu eins zu teilen – ohne zu beschönigen, aber auch ohne zu dramatisieren.
Ende 2019 hattest du eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung und wurdest 2020 operiert. Zum Glück bist du wieder ganz gesund. Wie schaffst du es, in schwierigen Zeiten die Hoffnung nicht zu verlieren? Gibt es etwas, das dir hilft?
Ja, das ist richtig. Ich bin sehr dankbar, dass mir damals auf der Kardiologie so schnell geholfen wurde und ich gesund weiterleben darf. Diese Erfahrung hat mir viel Urvertrauen und Lebensfreude geschenkt – und mich noch bewusster erkennen lassen, wie wertvoll das Leben ist. Ich wollte einmal mehr „von Herzen sprechen“ und von dem erzählen, was mir wirklich etwas bedeutet.
Mir hilft mein Glaube an Gott und die Verbindung zu anderen Menschen – zuzuhören, mich mitzuteilen und aufrichtig in Beziehung zu treten. Ich gehöre keiner Religion an, aber ich bete täglich. Es hilft, zu wissen, dass wir alle im Grunde mit denselben Themen ringen und dass niemand wirklich allein ist – auch wenn sich das Alleinsein manchmal einsam anfühlt. Diese Verbindung spüre ich am stärksten durch Musik, und deshalb ist Musikmachen für mich innerlich überlebenswichtig.
Nach dieser schweren Krise hast du dich bewusst entschieden, mit deiner Musik durchzustarten: Du hast die „Herz zu Herz“-Tour ins Leben gerufen, Wohnzimmerkonzerte umgesetzt und bist als echte One-Woman-Show unterwegs – mit Equipment und CDs im Gepäck. Neben der Musik malst du auch. Du hast die Kunst zu deinem Leben gemacht. Wie fühlt sich das für dich an?
2020 habe ich noch einmal tief „Ja“ gesagt – zu meinem Weg als Künstlerin und zu meinen Liedern. Dass mich die Malerei immer wieder überwältigt, ist ein großes Geschenk für mich.
Ich habe nicht das Gefühl, dass ich Kunst mache – die Kunst macht mich. Es ist ein ständiger Prozess, der Willenskraft, Resilienz, Disziplin und Hingabe erfordert. Ich bin dankbar, dass ich ganzheitlich als Künstlerin leben kann. Ob als One-Woman-Show oder vielleicht irgendwann mit einer Band – es ist jedes Mal ein Geschenk.
Dein neues Album heißt Apartment N°8. Warum lässt es sich im Apartment N°8 des Strandhotels am Weißensee so gut schreiben?
Apartment N°8 ist ein ganz besonderer Ort im Strandhotel am Weißensee – deshalb wollte ich es unbedingt als Albumtitel. Mit meinem „Herz zu Herz“-Programm darf ich dort regelmäßig auftreten und genieße es, danach noch etwas länger an meinem Lieblingssee zu bleiben.
Als ich zum ersten Mal Apartment N°8 betreten habe, habe ich sofort gespürt, dass hier eine Quelle an Ideen fließt. Und der Weißensee selbst fühlt sich für mich seit dem ersten Tag an wie eine gute Freundin, der ich nichts vorspielen kann. Dort muss ich meiner Wahrheit immer ins Auge blicken – das ist nicht immer angenehm, aber die Zeit am See ist jedes Mal eine Belohnung für diesen Mut.
Infos zu Flickentanz findest du auf www.flickentanz.at und @flickentanz
*Kooperation | Mitglied auf der Piazza